Artikel · Schwangerschaft & Geburt
Datteln bei Schwangerschaftsdiabetes: Was Studien sagen – und was dein Messwert entscheidet
Datteln sind nicht automatisch verboten, können den persönlichen Blutzucker aber erhöhen. Eine verständliche Einordnung der Forschung.
Tamarim Ratgeber · ca. 2 Min. Lesezeit
Datteln enthalten Ballaststoffe und Pflanzenstoffe, aber auch viel natürlichen Zucker. Beides kann gleichzeitig wahr sein: In längerfristigen Studien bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes verschlechterten kleine bis moderate Dattelmengen die durchschnittliche Blutzuckereinstellung nicht. Trotzdem kann eine einzelne Portion deinen Blutzucker nach dem Essen deutlich ansteigen lassen. Bei Schwangerschaftsdiabetes zählt deshalb nicht nur der Ruf eines Lebensmittels, sondern deine individuelle Reaktion.
Was wurde untersucht?
Eine randomisierte Studie von 2020 liess 100 Erwachsene mit Prä- oder Typ-2-Diabetes während 16 Wochen täglich drei Datteln essen oder Datteln meiden. Der HbA1c veränderte sich nicht ungünstig; untersucht wurden jedoch keine Schwangeren. In einer weiteren Studie von 2022 erhielten Erwachsene mit Typ-2-Diabetes täglich 60 Gramm Datteln oder die gleiche glykämische Last als Rosinen. Nach zwölf Wochen zeigte sich in keiner Gruppe eine Verbesserung oder Verschlechterung von HbA1c und Nüchternglukose. Auch diese Resultate lassen sich nicht direkt auf Schwangerschaftsdiabetes übertragen.
Akute Untersuchungen zeigen zudem, dass Dattelsorte, Portion und Kombination mit anderen Lebensmitteln die Blutzuckerreaktion beeinflussen. Ein niedriger oder mittlerer glykämischer Index bedeutet nicht, dass der persönliche Wert unverändert bleibt. Die Menge an Kohlenhydraten spielt weiterhin eine Rolle.
Was bedeutet das im Alltag?
Datteln sind bei Schwangerschaftsdiabetes nicht automatisch verboten – aber auch kein Mittel zur Blutzuckerstabilisierung. Wenn du sie essen möchtest, besprich mit deiner Diabetes- oder Ernährungsberatung, welche Menge und welcher Zeitpunkt zu deinem Plan passen. Nutze nur die Messungen, die dein Team mit dir vereinbart hat. So siehst du, wie dein Körper auf die konkrete Portion reagiert, ohne aus allgemeinen Studien eine eigene Therapie abzuleiten.
Und die Studien zur Geburtsvorbereitung?
Viele Studien zu Datteln und Geburt schlossen Frauen mit Diabetes aus oder berichteten die Blutzuckersicherheit nur unzureichend. Die systematische Übersicht von 2024 fand zwar mögliche positive Effekte auf einzelne Geburtsparameter, bewertete die Evidenz insgesamt aber als schwach; nur vier der 48 eingeschlossenen Studien erfassten Sicherheit ausdrücklich. Ein möglicher geburtshilflicher Vorteil ist deshalb kein Grund, erhöhte persönliche Blutzuckerwerte zu ignorieren.
Die kurze Antwort
Datteln können in einen individuell abgestimmten Ernährungsplan passen. Ob sie für dich passen, zeigen nicht Werbeversprechen oder Durchschnittswerte, sondern die Empfehlung deines Behandlungsteams und deine vereinbarten Messwerte.
Quellen
Alalwan et al. (2020), Nutrients 12:217; Butler et al. (2022), Nutrients 14:3491; Viguiliouk et al. (2018), Nutrition & Diabetes; Salajegheh et al. (2024), BMC Pregnancy and Childbirth 24:12.
Verfasst von hebammerebecca
Quellen & weiterführende Links
- Alalwan et al. (2020), Nutrients: Dattelkonsum und Blutzuckereinstellung bei Erwachsenen mit Diabetes (öffnet in einem neuen Tab)
- Butler et al. (2022), Nutrients: Dattelkonsum und Blutzuckereinstellung bei Typ-2-Diabetes (öffnet in einem neuen Tab)
- Viguiliouk et al. (2018), Nutrition & Diabetes: Trockenfrüchte und Blutzuckerreaktion nach dem Essen (öffnet in einem neuen Tab)
- Salajegheh et al. (2024), BMC Pregnancy and Childbirth: Systematische Übersicht und Meta-Analyse zu Datteln rund um die Geburt (öffnet in einem neuen Tab)
- Weiterführend: USZ: Individuelle Ernährungsberatung (öffnet in einem neuen Tab)
- Weiterführend: USZ: Schwangerschaftsdiabetes (öffnet in einem neuen Tab)