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Artikel · Schwangerschaft & Geburt

Datteln in der Schwangerschaft: Was sagt die aktuelle Studienlage?

Was Studien untersuchen und welche Fragen offenbleiben: eine vorsichtige Einordnung ohne Verzehrplan oder Versprechen für deine Geburt.

Tamarim Ratgeber · ca. 4 Min. Lesezeit

Datteln werden in den letzten Schwangerschaftswochen häufig als natürliche Geburtsvorbereitung empfohlen. Die Forschung liefert dazu interessante Hinweise – aber noch keine Garantie. Hier findest du die wichtigsten Studien so zusammengefasst, dass du schnell erkennst: Wer wurde untersucht, was mussten die Frauen tun und was kam dabei heraus?

Studie 1: Al-Kuran et al. (2011), Journal of Obstetrics and Gynaecology – Beobachtungsstudie

Die Forschenden verglichen 69 Frauen, die ab der 36. Schwangerschaftswoche täglich sechs Datteln assen, mit 45 Frauen, die keine Datteln assen. Die Dattelgruppe kam mit weiter geöffnetem Muttermund in die Klinik, hatte häufiger einen spontanen Geburtsbeginn und benötigte seltener Prostaglandin oder Oxytocin zur Einleitung beziehungsweise Verstärkung der Wehen. Wichtig: Die Frauen wurden nicht zufällig zugeteilt. Deshalb können sich die Gruppen auch in anderen Punkten unterschieden haben. Die Studie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass die Datteln die Unterschiede verursacht haben.

Studie 2: Razali et al. (2017), Journal of Obstetrics and Gynaecology – randomisierte Untersuchung

An dieser Studie nahmen 154 Erstgebärende mit unkomplizierter Einlingsschwangerschaft teil. Sie wurden per Zufall einer Dattel- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Die Dattelgruppe sollte ab der 37. Woche täglich sieben Datteln essen. Das wichtigste Ergebnis: Die Frauen benötigten seltener eine Verstärkung der Wehen mit Oxytocin. Beim spontanen Geburtsbeginn zeigte sich dagegen kein klarer Unterschied. Die Datteln lösten die Geburt also nicht früher aus.

Studie 3: Kordi et al. (2017), Iranian Journal of Nursing and Midwifery Research – randomisierte Untersuchung

182 Erstgebärende wurden einer Dattel- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Die Frauen in der Dattelgruppe assen in den letzten Schwangerschaftswochen täglich 70 bis 75 Gramm Datteln. In dieser Studie waren einzelne Geburtsphasen kürzer und Oxytocin zur Beschleunigung der Geburt wurde seltener benötigt. Auch hier gilt: Eine einzelne Studie mit einer bestimmten Teilnehmerinnengruppe reicht nicht für eine allgemeine Empfehlung.

Systematische Übersicht von 2024: viele positive Signale, schwache Sicherheit

Salajegheh und Kolleginnen und Kollegen werteten 48 kontrollierte Studien aus. Zusammengenommen zeigten die Daten unter anderem eine grössere Muttermundöffnung bei der Aufnahme, einen höheren Bishop-Score, häufiger einen spontanen Geburtsbeginn und teilweise kürzere Geburtsphasen. Gleichzeitig stuften die Autorinnen und Autoren die Gesamtqualität der Evidenz als ungenügend ein: Viele Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko, verwendeten unterschiedliche Mengen und Zeiträume, und nur vier Studien erfassten die Sicherheit ausdrücklich. Ihr Fazit lautet deshalb nicht «Wirkung bewiesen», sondern: Die Ergebnisse sind vielversprechend, müssen aber durch bessere Studien bestätigt werden.

Studie von 2025: auffällige Ergebnisse, aber rückblickendes Design

Die Arbeit von Abou El-Ardat et al. (2025) in Medical Archives verglich rückblickend 60 Frauen, die in den letzten vier Wochen täglich sechs Datteln gegessen hatten, mit 60 Frauen ohne Dattelkonsum. In den Krankenakten wurden kürzere Geburtszeiten und weniger Oxytocin in der Dattelgruppe beschrieben. Weil die Daten nachträglich ausgewertet wurden und die Frauen nicht zufällig eingeteilt waren, lässt sich daraus keine sichere Ursache ableiten. Das Publikationsjahr 2025 macht die Studie nicht automatisch stärker als einen älteren randomisierten Versuch.

Was du aus der Forschung mitnehmen kannst

Datteln könnten einzelne Aspekte der Geburt beeinflussen, besonders die Reife des Muttermundes und den Bedarf an Wehenverstärkung. Ob sie den gesamten Geburtsverlauf verbessern, einen Kaiserschnitt verhindern oder für jede Schwangere sicher und sinnvoll sind, ist nicht ausreichend belegt. Die Studien untersuchten zudem unterschiedliche Dattelsorten, Mengen und Zeiträume. Eine Studienmenge ist deshalb keine automatische Empfehlung für ein bestimmtes Produkt.

Wenn du Datteln gerne magst und sie zu deiner gesundheitlichen Situation passen, kannst du sie als Lebensmittel geniessen. Bei Schwangerschaftsdiabetes oder individuellen Ernährungsvorgaben besprichst du Menge und Zeitpunkt mit deinem Behandlungsteam.

Quellen

Al-Kuran et al. (2011), Journal of Obstetrics and Gynaecology; Razali et al. (2017), Journal of Obstetrics and Gynaecology, DOI 10.1080/01443615.2017.1283304; Kordi et al. (2017), Iranian Journal of Nursing and Midwifery Research, PMID 29033994; Salajegheh et al. (2024), BMC Pregnancy and Childbirth, DOI 10.1186/s12884-023-06196-y; Abou El-Ardat et al. (2025), Medical Archives 79(1), 56–60.

Verfasst von hebammerebecca